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Ferien

Sardinien-Ferien: Anreise, Küsten und was am Strand gilt

Flug ab Zürich oder Nachtfähre ab Genua, vier sehr verschiedene Küsten und Strände mit Reservationspflicht: der Überblick für Sardinien-Ferien.

Von der Redaktion Urlaub-Magazin.ch, veröffentlicht am . Lesezeit 9 Min. Lesezeit.

Der Strand La Pelosa bei Stintino im Nordwesten Sardiniens mit türkisem Flachwasser und dem Wehrturm auf der Insel davor
Foto: Gianni Careddu, CC BY-SA 4.0 (Ausschnitt), via Wikimedia Commons

Sardinien liegt näher, als es sich anfühlt und trotzdem stellt sich vor jeder Buchung dieselbe Frage: fliegen oder fahren? Die Antwort hängt weniger am Preis als daran, wie viel von der Insel du sehen willst. Und sie hängt an etwas, das viele erst am Strand merken: Auf Sardinien kommst du an mehrere der berühmtesten Buchten nur noch mit einer Reservation.

Fliegen oder fahren: die zwei Wege auf die Insel

Sardinien hat drei internationale Flughäfen, und welchen du nimmst, entscheidet die halbe Reise. Olbia Costa Smeralda liegt im Nordosten und ist das Tor zur Gallura und zum Archipel von La Maddalena. Cagliari-Elmas im Süden erschliesst die Hauptstadt, den Sulcis und die Costa Rei. Alghero-Fertilia im Nordwesten ist der kürzeste Weg nach Stintino, zum Capo Caccia und zur Riviera del Corallo.

Ab Zürich, Basel-Mulhouse und Genf verkehren im Sommerhalbjahr Direktverbindungen dorthin, meist von Ende März bis Ende Oktober. Ausserhalb dieser Monate wird es dünn: Dann führt der Weg in der Regel über Mailand oder Rom. Die aktuellen Flugpläne stehen bei den Flughäfen selbst – feste Zeiten und Frequenzen ändern sich von Saison zu Saison, verlass dich also nicht auf Angaben aus dem Vorjahr.

Der zweite Weg ist der lange: über Gotthard oder San Bernardino nach Italien und ab einem der Fährhäfen aufs Schiff. Genua und Livorno sind die nächstgelegenen, Civitavecchia bei Rom der südlichste. Angelaufen werden auf sardischer Seite Porto Torres und Olbia im Norden, Golfo Aranci im Nordosten, Arbatax an der Ostküste und Cagliari im Süden. Die längeren Überfahrten fahren nachts mit Kabine, die kürzeren tagsüber.

Wann lohnt sich was? Eine Faustregel, die selten daneben liegt:

  • Flug plus Mietwagen, wenn du ein bis zwei Wochen bleibst und dich auf eine Küste konzentrierst.
  • Eigenes Auto plus Fähre, wenn du drei Wochen oder länger bleibst, mit Kindern und viel Gepäck reist, das Velo oder das Surfbrett mitnimmst oder mehrere Regionen verbinden willst.

Eines gilt in beiden Fällen: Ohne Auto wirst du auf Sardinien nicht glücklich. Der öffentliche Verkehr verbindet die grösseren Orte, aber kaum die Buchten und die schönsten Strände liegen fast immer am Ende einer Stichstrasse. Die Fähren solltest du früh buchen; an Sommerwochenenden sind Plätze mit Fahrzeug und Kabine regelmässig vergeben.

Vier Küsten, vier ganz verschiedene Ferien

Sardinien ist gross, und die Regionen ähneln sich weniger, als die Postkarten vermuten lassen.

Costa Smeralda und Gallura (Nordosten). Runde Granitfelsen, Macchia, sehr klares Wasser und die teuerste Ecke der Insel. Porto Cervo und Porto Rotondo leben vom Jachthafen, die Küste dazwischen ist trotzdem öffentlich zugänglich. Vorteil: kurze Wege ab Olbia, und der Nationalpark La Maddalena liegt direkt vor der Tür.

Ogliastra (Osten). Die wilde Seite. Hinter Baunei bricht der Kalk in Klippen zum Meer ab, die Buchten Cala Goloritzé, Cala Mariolu und Cala Sisine erreichst du nur zu Fuss über den Supramonte oder mit dem Boot. Wer Ruhe sucht und bereit ist, dafür zu laufen, ist hier richtig.

Sulcis und Südwesten. Sant’Antioco und San Pietro sind vorgelagerte Inseln mit eigenem Charakter, die Costa Verde trägt Dünen, die zu den höchsten Europas zählen. Dazu kommt eine Bergbaugeschichte, die man den Orten ansieht. Deutlich weniger Rummel als im Nordosten, ab Cagliari gut erreichbar.

Alghero und Riviera del Corallo (Nordwesten). Alghero hat eine katalanisch geprägte Altstadt – im Alltag hört man dort bis heute Katalanisch. Dazu das Capo Caccia mit der Neptungrotte und nördlich davon Stintino mit dem Flachwasser von La Pelosa.

Die Strandregeln: Reservation, Kontingent, Sandverbot

Das ist der Punkt, an dem Sardinien-Ferien schiefgehen, wenn man ihn nicht kennt. Zwei Dinge sind zu unterscheiden.

Erstens das Sandverbot. Das sardische Regionalgesetz Nr. 16 von 2017 untersagt es, Sand, Kies, Steine oder Muscheln vom Strand oder aus dem Meer zu entnehmen, zu besitzen oder zu verkaufen. Wer es trotzdem tut, riskiert eine Busse von 500 bis 3000 Euro. Das Verbot gilt inselweit, es kennt keine Bagatellgrenze, und es wird durchgesetzt: Kontrolliert wird durch das Corpo forestale und die Gemeinden, Fälle von beschlagnahmten Flaschen mit Strandsand im Reisegepäck sind regelmässig dokumentiert. Die Mitbringsel-Muschel aus der Jackentasche ist also keine gute Idee.

Zweitens die Zugangsbeschränkungen. Mehrere Gemeinden begrenzen die Zahl der Badegäste pro Tag und verlangen eine Reservation im Voraus. Für die Saison 2026 gelten unter anderem diese Kontingente:

Strand Gemeinde Plätze pro Tag Saison 2026
La Pelosa Stintino 1500 15. Mai bis 15. Oktober
Cala Goloritzé Baunei 250 24. März bis 15. November
Tuerredda Teulada 1100 2. Juni bis 15. Oktober
Cala Brandinchi San Teodoro 1447 1. Juni bis 30. September
Lu Impostu San Teodoro 3352 1. Juni bis 30. September
Rena Bianca Santa Teresa Gallura 1015 1. Juni bis 30. September
Su Sirboni Gairo 786 15. Juli bis 15. September
Cala Coticcio La Maddalena 60 nur mit autorisierter Parkführung

Dazu kommen die Buchten der Küste von Baunei, die vom Meer her angefahren werden: Cala Mariolu mit 700 Plätzen, Cala Sisine mit 1800, Cala Biriala und Cala dei Gabbiani mit je 300, jeweils von Anfang Mai bis Mitte Oktober. Je nach Strand wird zusätzlich ein kleiner Eintritt fällig.

Wichtig ist die Organisation dahinter: Es gibt keine inselweite Buchungsstelle. Jede Gemeinde betreibt ihr eigenes Portal oder ihre eigene App – La Pelosa läuft über spiaggialapelosa.it, die Strände von Baunei und Gairo über die Plattform Heart of Sardinia, San Teodoro und Santa Teresa Gallura über eigene Apps. Die Kontingente öffnen unterschiedlich früh; an der Küste von Baunei etwa wird der jeweilige Tag um 07:00 Uhr freigegeben. Plane den Strandtag also am Vorabend, nicht beim Frühstück.

Für La Pelosa kommen weitere Regeln dazu, die auf dem Buchungsportal als verbindliche Piktogramme stehen: Pflicht zur Strandmatte statt des Handtuchs direkt auf dem Sand, keine Hunde, kein Rauchen, keine Reinigungsmittel und ausdrücklich das Verbot, Sand mitzunehmen. Der Grund ist konkret: Der feine Quarzsand der Bucht verschwand jahrelang an den Fusssohlen und in den Handtüchern der Gäste.

Wann du am besten hinfährst

Mai und Juni sind die ruhigsten guten Monate. Anfang Mai ist das Meer noch frisch, die Buchten dafür fast leer und die Macchia blüht. Ab Ende Mai läuft die Saison normal an.

Juli und August sind Hochsaison im doppelten Sinn: Hitze über dem Landesinnern, dazu die italienischen Sommerferien. Um Ferragosto am 15. August herum ist praktisch alles ausgebucht – Fähren, Unterkünfte und eben auch die Strandkontingente.

September ist für viele der beste Monat. Das Meer hat die Wärme des Sommers gespeichert, der Andrang lässt nach der ersten Woche deutlich nach. Ab Mitte September schliessen erste Saisonbetriebe.

Oktober bis April ist keine Badezeit, aber eine gute Wanderzeit; Alghero und Cagliari funktionieren auch als Städteziel. Viele Küstenorte machen allerdings zu, und das Fährangebot wird dünner.

Ein Faktor, den Schweizer Reisende oft unterschätzen: der Maestrale, der Nordwestwind. Er kann tagelang wehen und macht die Westküste unbadbar, während an der Ostküste gleichzeitig Flaute herrscht. Genau dafür ist das Auto Gold wert – wer mobil ist, wechselt einfach die Seite.

Sechs Dinge, die vor Ort helfen

  • Wasserschuhe mitnehmen. Cala Mariolu und Cala Goloritzé sind Kiesel- und Steinstrände, kein feiner Sand.
  • Strandmatte statt Handtuch – an La Pelosa Pflicht, anderswo bequem.
  • Reservationen vorher abklären, Strand für Strand, weil jede Gemeinde eigene Fristen hat.
  • Mietwagen früh buchen, das Angebot auf der Insel ist im Sommer schnell erschöpft.
  • Kleine Strassen ernst nehmen: Die letzten Kilometer zu einer Bucht sind oft unbefestigt.
  • Nichts einpacken, was vom Strand stammt. Auch nicht die eine Muschel.

Häufige Fragen

Muss ich für sardische Strände wirklich im Voraus reservieren?

Für mehrere ja. La Pelosa, Cala Goloritzé, Tuerredda, Cala Brandinchi, Lu Impostu, Rena Bianca, Su Sirboni und die Buchten der Küste von Baunei sind kontingentiert und nur mit vorheriger Buchung zugänglich. Die allermeisten anderen Strände der Insel sind frei zugänglich.

Darf ich Sand oder Muscheln als Andenken mitnehmen?

Nein. Das sardische Regionalgesetz verbietet Entnahme, Besitz und Verkauf von Sand, Kies, Steinen und Muscheln von der Küste. Vorgesehen ist eine Busse von 500 bis 3000 Euro.

Lohnt sich die Fähre ab Italien gegenüber dem Flug?

Sie lohnt sich, wenn die Ferien lange dauern, das Gepäck sperrig ist oder du mehrere Regionen verbinden willst – mit dem eigenen Auto entfällt die Mietwagenfrage ganz. Für einen kurzen Aufenthalt an einer einzigen Küste ist der Flug ab Zürich, Basel oder Genf der klar einfachere Weg.

Wann ist die beste Reisezeit für Sardinien-Ferien?

Mai, Juni und September. Juli und August sind heiss und voll, ausserhalb der Saison schliessen viele Küstenorte.

Geprüft am 22. September 2026 anhand der Angaben der Region Sardinien (Regionalgesetz 16/2017 zum Schutz der Küsten, Corpo forestale) sowie der offiziellen Buchungsportale für die kontingentierten Strände, darunter spiaggialapelosa.it für La Pelosa und die Plattform Heart of Sardinia für die Küste von Baunei und Gairo. Kontingente, Saisonzeiträume und Eintritte werden jährlich neu festgelegt; prüfe sie vor der Reise am jeweiligen Portal der Gemeinde. Flugpläne und Fährfahrpläne nennt dieser Artikel bewusst nicht – sie ändern sich pro Saison.

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