Korsika-Ferien ab der Schweiz: Flug oder Fähre über Italien
Livorno–Bastia dauert vier Stunden: Warum die Fähre ab Italien für Schweizer eine echte Alternative zum Flug ist und wann du am besten reist.
Von der Redaktion Urlaub-Magazin.ch, veröffentlicht am . Lesezeit 7 Min. Lesezeit.

Für deutsche Reisende ist Korsika ein reines Flugziel. Für dich ab der Schweiz ist es das nicht zwingend, und genau darin liegt die Frage, die diesen Artikel trägt: Lohnt sich der Umweg über einen italienischen Hafen, oder steigst du besser ins Flugzeug? Die Antwort hängt an einem einzigen Punkt, und der hat nichts mit dem Preis zu tun.
Flug oder Fähre: die Schweizer Rechnung
Der Unterschied ist schnell benannt. Der Flug bringt dich schnell auf die Insel und lässt dich dort ohne Fahrzeug stehen. Die Fähre kostet dich einen Tag Fahrt und setzt dich mit deinem eigenen Auto samt allem, was hineinpasst, im Hafen ab.
Der Flug. easyJet fliegt ab dem EuroAirport Basel-Mülhausen-Freiburg alle vier korsischen Flughäfen an: Ajaccio, Bastia, Calvi und Figari. Ab Genf steht unter anderem Figari im Programm. Die Verbindungen sind überwiegend saisonal, das Angebot verdichtet sich also im Sommerhalbjahr und dünnt im Winter aus. Wer fliegt, braucht auf der Insel praktisch zwingend einen Mietwagen – Korsikas Sehenswürdigkeiten liegen weit auseinander, und der öffentliche Verkehr ist dünn. In der Hochsaison sind Mietwagen auf der Insel knapp; das ist der Punkt, an dem die vermeintlich günstige Flugreise teuer wird.
Die Fähre. Corsica Ferries verbindet das Festland mit bis zu 30 Überfahrten pro Tag mit der Insel. Von der italienischen Seite laufen die Schiffe ab Livorno, Savona und Piombino, von der französischen ab Nizza, Toulon und Sète. Angesteuert werden Bastia, Île-Rousse, Calvi, Ajaccio und Porto-Vecchio.
Für dich ab der Deutschschweiz ist Livorno oder Savona der natürliche Weg: durch den Gotthard, an Mailand vorbei, dann die Küste hinunter. Ab der Westschweiz führt die Route über den Mont-Blanc-Tunnel oder den Grossen St. Bernhard ins Aostatal und über Turin nach Savona – Savona liegt damit deutlich näher als Livorno. Die italienische Autobahnmaut und der Treibstoff gehören in diese Rechnung hinein, der Hotelstopp auf der Hinfahrt je nach Abfahrtszeit ebenfalls.
Die Faustregel: Fährst du zu zweit mit Handgepäck für eine Woche ans Meer, fliege. Reist du als Familie, willst Velos, Tauch- oder Wanderausrüstung mitnehmen oder mehrere Wochen bleiben und die Insel wirklich abfahren, nimm die Fähre. Das eigene Auto ist auf Korsika kein Luxus, sondern die Voraussetzung dafür, mehr zu sehen als den Strand vor der Unterkunft.
Welcher Hafen zu welcher Region passt
Die Hafenwahl entscheidet über deine erste Ferienwoche mehr als der Fahrpreis, denn Korsikas Strassen sind kurvig und die Fahrzeiten länger, als die Kilometerzahl vermuten lässt. Wer im Norden anlandet und in den Süden will, verliert einen halben Tag.
- Bastia – der meistgenutzte Hafen und der einzige, den Livorno und Savona direkt anlaufen. Von hier erreichst du das Cap Corse, die Ostküste und mit einer überschaubaren Etappe über die Nordküste auch die Balagne.
- Île-Rousse und Calvi – die Tore zur Balagne im Nordwesten, der Region mit den Bergdörfern über dem Meer.
- Ajaccio – der Westen, Ausgangspunkt für den Golf von Porto und die Calanche de Piana.
- Porto-Vecchio – der Süden, die Strände um Palombaggia und Santa Giulia, dazu Bonifacio in Reichweite.
Die Regionen, die sich wirklich lohnen
Bonifacio ist das Bild, das die meisten von Korsika im Kopf haben: eine Altstadt auf weissen Kalkklippen, die direkt ins Meer abbrechen, mit Häusern, die über die Kante hinausragen. Der Hafen liegt in einem tiefen Fjordeinschnitt, Sardinien liegt in Sichtweite.
Die Calanche de Piana im Westen sind rote Granitfelsen, die in verwitterten Formen aus dem Meer aufsteigen. Zusammen mit dem Golf von Girolata und dem Naturschutzgebiet Scandola gehören sie zum UNESCO-Welterbe. Die Küstenstrasse hindurch ist schmal und im Sommer voll – fahre sie früh am Morgen.
Das Cap Corse, der Finger im Norden, ist die stillste der bekannten Regionen: alte Genueser Wachtürme, kleine Häfen, Weinbau um Patrimonio, dazwischen lange Strecken, auf denen nichts ist. Wer Ferien ohne Programm sucht, findet sie hier.
Die Balagne zwischen Calvi und Île-Rousse verbindet Badebuchten mit Dörfern wie Sant’Antonino, die als Festungen auf Felsköpfen sitzen.
Das Landesinnere wird von Schweizer Reisenden regelmässig unterschätzt, obwohl es ihnen vertraut vorkommen dürfte. Korsika ist ein Gebirge im Meer, und rund um Corte, die historische Hauptstadt der Insel, führen Schluchten wie die Restonica und die Tavignano ins Hochgebirge. Der Fernwanderweg GR 20 zieht über den Gebirgskamm quer über die Insel und gilt als einer der anspruchsvollsten Weitwanderwege Europas – nichts für einen spontanen Ferientag, aber die Tagesetappen an den Rändern sind auch für Geübte ohne Mehrtagesplanung machbar.
Ajaccio und Bastia schliesslich sind keine Durchgangsstationen. Ajaccio, Napoleons Geburtsstadt, hat eine lebendige Altstadt und Museen; Bastia besitzt mit der Terra Vecchia rund um den alten Hafen und seinen Barockkirchen das südlichere, italienischere Gesicht der Insel.
Wann du am besten reist
Korsika hat einen kurzen, sehr intensiven Sommer. Juli und August bringen Hitze, volle Strände, teure Unterkünfte und ausgebuchte Fähren – wer mit dem Auto übersetzen will, sollte in dieser Zeit Monate im Voraus buchen, nicht Wochen.
Die besseren Fenster sind Mai und Juni sowie September. Das Meer ist im September wärmer als im Juni, die Insel merklich leerer, und die Bergregionen sind begehbar, ohne dass dich die Mittagshitze zwingt, um sechs Uhr loszulaufen.
Für Schweizer Familien ist das eine handfeste Überlegung: Die Sommerferien fallen genau in die teuerste und vollste Phase, die Herbstferien dagegen in einen Zeitraum, in dem auf Korsika oft noch Badewetter herrscht und die Preise zurückgehen. Wer die Wahl hat, gewinnt mit dem Herbst.
Ein Punkt gehört noch in die Planung: Bei hoher Waldbrandgefahr können die Präfekturen Haute-Corse und Corse-du-Sud den Zugang zu Waldgebieten und Wanderwegen kurzfristig einschränken. Prüfe vor einer Bergtour im Hochsommer die aktuellen Hinweise vor Ort.
Was du vor der Abreise klären solltest
Korsika ist französisches Staatsgebiet und damit Teil des Schengen-Raums – für Schweizerinnen und Schweizer genügt eine gültige Identitätskarte oder ein Pass. Bezahlt wird in Euro. Vor der Abreise lohnt ein Blick auf die Reisehinweise des EDA für Frankreich, die auch für die Insel gelten.
Nimmst du das eigene Auto mit, denk an die italienische Autobahnmaut auf der Hinfahrt und daran, dass korsische Bergstrassen schmal sind: Wohnmobile und breite Fahrzeuge kommen auf manchen Routen, etwa durch die Calanche, an Grenzen. Plane grosszügiger, als die Karte es nahelegt.
Häufige Fragen
Wie lange dauert die Fähre von Livorno nach Bastia?
Vier Stunden. Corsica Ferries bietet auf dieser Strecke bis zu drei Überfahrten pro Tag an – morgens, mittags und nachmittags.
Lohnt sich die Fähre ab der Schweiz gegenüber dem Flug?
Sie lohnt sich, sobald du dein eigenes Auto brauchst: bei Familien, bei Gepäck wie Velos oder Tauchausrüstung und bei längeren Aufenthalten, in denen du die Insel abfahren willst. Für eine kurze Badewoche zu zweit ist der Flug ab Basel oder Genf schneller und meistens einfacher.
Welcher Flughafen passt zu welcher Ferienregion?
Bastia für das Cap Corse und die Ostküste, Calvi für die Balagne, Ajaccio für den Westen und den Golf von Porto, Figari für den Süden mit Bonifacio und Porto-Vecchio.
Wann sind Korsika-Ferien am angenehmsten?
Im Mai, Juni und September. Juli und August sind die heissesten und vollsten Monate; die Schweizer Herbstferien treffen auf Korsika oft noch Badewetter bei spürbar tieferen Preisen.
Geprüft am 22. September 2026 anhand der Streckenangaben von Corsica Ferries (corsica-ferries.co.uk), des Streckenangebots von easyJet ab Basel-Mülhausen und Genf sowie der Angaben von Visit Corsica (visit-corsica.com). Fahrpläne, Flugpläne und Preise ändern sich saisonal und sind vor der Buchung beim Anbieter zu prüfen; Reisehinweise für Frankreich veröffentlicht das EDA.
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