Geheimtipp Ausflug Schweiz: 9 Ziele abseits der bekannten
Moorsee, Schluchtbad, Salzbergwerk: neun Schweizer Ausflugsziele ohne Andrang – mit Anreise per ÖV und dem ehrlichen Grund, warum kaum jemand hinfährt.
Von der Redaktion Urlaub-Magazin.ch, veröffentlicht am . Lesezeit 8 Min. Lesezeit.

Was macht ein Ausflugsziel eigentlich zum Geheimtipp und was bleibt davon übrig, wenn man ehrlich ist? Meistens nämlich kein verborgener Schatz, sondern ein handfester Grund, warum die anderen nicht hinfahren: Der Bus fährt dreimal am Tag. Die Saison dauert fünf Monate. Es gibt vierzig Betten im ganzen Tal. Diese Gründe sind der eigentliche Nutzen dieser Liste – denn wer sie kennt, kann damit planen, statt sich vor Ort zu ärgern.
Die folgenden neun Ziele sind keine Alternativen zum Rheinfall oder zur Rigi. Sie sind das, was man sieht, wenn man einen Tag lang in die andere Richtung fährt.
Zwei Schluchten, die man nur zu Fuss oder per Bahn sieht
Die Taminaschlucht mit dem Alten Bad Pfäfers im Kanton St. Gallen ist der seltene Fall eines Ziels, das nicht trotz, sondern wegen seiner Unzugänglichkeit funktioniert. Unten in der Schlucht steht die älteste erhaltene Barockbadanlage der Schweiz, heute Museum und Restaurant; dahinter führt der Weg in die Quellschlucht, wo das 36 Grad warme Wasser aus dem Fels tritt, das Bad Ragaz gross gemacht hat. Der Eintritt zum Bad und zum Museum ist frei.
Warum dort trotzdem selten Gedränge herrscht: Ins Tal gilt ein allgemeines Fahrverbot. Der Zugang ist ausschliesslich mit dem Postauto, mit der Rösslipost oder zu Fuss möglich und die Saison ist kurz. 2026 ist vom 2. Mai bis 25. Oktober geöffnet, Museum und Restaurant bis Ende August täglich von 9.30 bis 17.30 Uhr, danach nur noch bis 16.30 Uhr; die Quellschlucht schliesst jeweils rund eine Viertelstunde früher. Anreise: Zug bis Bad Ragaz, dort umsteigen.
Die Rheinschlucht Ruinaulta in Graubünden hat das umgekehrte Problem: Sie ist riesig und trotzdem schwer zu sehen. Zwischen Ilanz und Reichenau hat sich der Vorderrhein durch die Schuttmassen des Flimser Bergsturzes gefressen, des grössten bekannten Bergsturzes der Alpen. Von oben sieht man wenig, Aussichtspunkte mit Parkplatz gibt es praktisch keine. Dafür fährt die Rhätische Bahn mitten hindurch, und die Station Versam-Safien liegt unten am Wasser. Von dort lässt sich der Schluchtweg in beide Richtungen gehen. Wer nur schauen will, bleibt schlicht sitzen – die Bahnfahrt ist der Aussichtspunkt.
Moore: die Landschaften, die auf Fotos nach nichts aussehen
Der Etang de la Gruère bei Saignelégier im Kanton Jura ist der grösste Moorsee der Schweiz und ein Auengebiet von nationaler Bedeutung. Das Wasser ist vom Torf so dunkel, dass es bei Windstille die Föhren am Ufer spiegelt wie schwarzes Glas. Ein Rundweg führt um den See; er ist kurz, aber man geht ihn langsam.
Wenig bekannt ist er aus drei Gründen: Der Jura liegt verkehrlich quer zu allem, es gibt weder Bergbahn noch Seilbahn, und am See selbst gibt es nichts zu kaufen. Anreise: Zug nach Saignelégier mit den Chemins de fer du Jura, von dort rund eine Stunde zu Fuss.
Die Hochmoorlandschaft von Rothenthurm im Kanton Schwyz ist die grösste zusammenhängende Moorlandschaft des Schweizer Mittellandes und sie ist der Grund, warum die Schweiz überhaupt Moore schützt: Die Rothenthurm-Initiative, 1987 angenommen, schrieb den Moorschutz in die Bundesverfassung. Vor Ort ist das eine flache, braune, absolut stille Ebene mit Holzstegen. Kein Gipfel, kein Panorama, nichts, was auf einem Handyfoto funktioniert. Genau deshalb ist man dort oft allein. Anreise: Bahnhof Rothenthurm an der Linie der Südostbahn zwischen Biberbrugg und Arth-Goldau, die Stege beginnen fast am Perron.
Unter Tag und in der Tiefenzeit
Das Salzbergwerk von Bex im Kanton Waadt ist das einzige noch betriebene Salzbergwerk der Schweiz und gleichzeitig ein Besucherbergwerk, in das eine kleine Grubenbahn hineinfährt. Man fährt also nicht in eine Kulisse, sondern in einen Betrieb. Geöffnet ist täglich von 9.00 bis 16.30 Uhr, ausser am 1. Januar und am 25. und 26. Dezember. Zieh etwas Warmes an, im Berg ist es das ganze Jahr kühl. Anreise: Bahnhof Bex an der Linie Lausanne–Brig, von dort mit dem örtlichen Verkehr talaufwärts und ein kurzes Stück zu Fuss.
Warum es untergeht: Bex liegt genau am Weg nach Villars-sur-Ollon und wer dorthin fährt, fährt am Bergwerk vorbei, ohne es zu bemerken.
Der Monte San Giorgio über dem Luganersee ist seit 2003 UNESCO-Welterbe, und zwar nicht wegen der Aussicht, sondern wegen dem, was im Berg liegt: eine der bedeutendsten Fossilienfundstätten der Welt aus der Mitteltrias, rund 240 Millionen Jahre alt. Meeresreptilien, Fische, Pflanzen. Das Fossilienmuseum steht im Dorf Meride im Mendrisiotto, Kanton Tessin. Anreise: Zug bis Mendrisio, von dort mit dem Postauto nach Meride.
Ehrlich gesagt ist das der Grund für die Ruhe: Ein Museum über Fische, die vor 240 Millionen Jahren gestorben sind, verkauft sich schlechter als ein Gletscher. Für alle, die Steine mögen, ist das ein Glücksfall.
Zwei Täler, in die man wirklich fahren muss
Das Val Bavona im Tessin, ein Seitental des Maggiatals, ist eines der steilsten bewohnten Täler der Alpen. Zwölf Weiler liegen darin, bewohnt im Sommer, und grosse Teile des Tals haben bis heute keinen Stromanschluss – was abends sehr schnell sehr dunkel wird. Bei Foroglio fällt ein Wasserfall 108 Meter über die Talflanke.
Die Gründe für die Ruhe sind hier besonders klar: kleine Kapazität, wenige Betten, und der Bus ins Tal fährt nur im Sommerhalbjahr. Anreise: bis Locarno, Bus ins Maggiatal bis Bignasco, dort umsteigen ins Val Bavona. Prüfe den Fahrplan vor der Abreise, nicht am Bahnhof.
Das Kloster St. Johann in Müstair liegt im äussersten Südosten Graubündens, im Val Müstair an der italienischen Grenze. Gegründet im 8. Jahrhundert – Karl der Grosse soll es gestiftet haben –, steht es seit 1983 auf der UNESCO-Welterbeliste; im Inneren hängt der grösste erhaltene karolingische Bilderzyklus. Das Klostermuseum ist an Werktagen von 9 bis 18 Uhr geöffnet, an Sonn- und Feiertagen ab 13.30 Uhr.
Warum kaum jemand spontan hinfährt: Die Anreise ist lang. Zug bis Zernez oder Scuol-Tarasp, dann mit dem Postauto über den Ofenpass. Von Zürich aus ist das ein halber Tag pro Weg – das ist ein Wochenendziel, kein Tagesausflug.
Ein Halt am Strassenrand: die Pyramiden von Euseigne
Bei Euseigne im Walliser Val d’Hérens stehen Erdpyramiden, die aussehen wie ein Missverständnis: Moränenschutt, den aufliegende Felsblöcke wie Hüte vor der Erosion geschützt haben, während alles ringsum abgetragen wurde. Die Kantonsstrasse führt durch einen Tunnel mitten hindurch.
Es gibt dort keine Kasse, kein Gebäude und nichts zu kaufen – deshalb steht es in keinem Prospekt weit vorn und deshalb dauert der Besuch zwanzig Minuten. Anreise: Bahnhof Sion, Postauto Richtung Evolène, Haltestelle Euseigne. Gut kombinierbar mit einer Wanderung weiter talaufwärts.
Alle neun auf einen Blick
| Ziel | Kanton | Anreise ohne Auto |
|---|---|---|
| Taminaschlucht / Altes Bad Pfäfers | St. Gallen | Bahnhof Bad Ragaz, dann Postauto oder zu Fuss |
| Rheinschlucht Ruinaulta | Graubünden | Rhätische Bahn, Station Versam-Safien |
| Etang de la Gruère | Jura | Bahnhof Saignelégier, ca. 1 Std. zu Fuss |
| Hochmoor Rothenthurm | Schwyz | Bahnhof Rothenthurm (Südostbahn) |
| Salzbergwerk Bex | Waadt | Bahnhof Bex, örtlicher Verkehr talaufwärts |
| Monte San Giorgio / Meride | Tessin | Bahnhof Mendrisio, Postauto nach Meride |
| Val Bavona | Tessin | Locarno – Bignasco – Val Bavona (saisonal) |
| Kloster St. Johann Müstair | Graubünden | Zernez oder Scuol, Postauto über den Ofenpass |
| Pyramiden von Euseigne | Wallis | Bahnhof Sion, Postauto Richtung Evolène |
Häufige Fragen
Welches dieser Ziele eignet sich für einen Tagesausflug?
Rothenthurm, Ruinaulta und die Taminaschlucht liegen von Zürich, Luzern oder St. Gallen aus bequem im Tagesradius. Müstair und das Val Bavona nicht – dort ist die Anreise so lang, dass eine Übernachtung den Ausflug erst lohnend macht.
Was kosten diese Ausflüge?
Das Alte Bad Pfäfers und das Museum sind gratis zugänglich, ebenso die Moore, die Rheinschlucht und die Pyramiden von Euseigne – sie sind offene Landschaft. Für das Salzbergwerk Bex, das Klostermuseum Müstair und das Fossilienmuseum Meride fällt Eintritt an; die aktuellen Tarife in CHF stehen bei den Betreibern, weil sie sich saisonal ändern.
Wann ist die beste Zeit?
Für die Taminaschlucht entscheidet die Saison: 2026 vom 2. Mai bis 25. Oktober, danach ist geschlossen. Die Moore sind im Oktober und November am schönsten, wenn das Licht flach steht. Das Val Bavona hängt am saisonalen Busfahrplan. Das Salzbergwerk und die Museen funktionieren auch im Winter – bei schlechtem Wetter sogar besser.
Sind diese Ziele mit Kindern machbar?
Rothenthurm, Etang de la Gruère und das Salzbergwerk Bex eignen sich gut; die Wege sind kurz und flach beziehungsweise man fährt mit der Grubenbahn. Der Schluchtweg in der Ruinaulta und die Wege im Val Bavona verlangen Trittsicherheit und Ausdauer.
Angaben geprüft am 22. September 2026 anhand der Betreiber- und Tourismusquellen: altes-bad-pfaefers.ch (Saison und Zugang Taminaschlucht), muestair.ch (Kloster St. Johann), salina-helvetica.ch (Salzbergwerk Bex), myswitzerland.com, graubuenden.ch und ticino.ch (Val Bavona, Etang de la Gruère, Ruinaulta). Fahrpläne und Eintrittspreise ändern sich – prüfe sie vor der Abreise bei den Betreibern.
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